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Agnus Dei
Im Bretterverschlag, eng zusammengedrängt, das Fell klebt noch am Harz,
sind fünfundzwanzig Schafe, und eines von ihnen ist schwarz.
Sie sind noch so jung, sie sind noch zu jung und viel zu klein zum sterben,
doch wer gibt ihnen die Chance ein Schaf zu sein? Oder besser noch: ein Schaf zu werden.
Sie warten auf den Abtransport, alle haben das gleiche Schicksal,
die Chance, die nur auf Papieren steht, zu sterben ganz ohne Qual.
Das schwarze Lamm steht alleine da inmitten der anderen Schafe,
es gehört nicht hier rein, das ist ihm wohl klar, es erwartet seine Strafe.
Es ist doch schon so schwer, alleine zu sein, in diesen solchen Tagen,
doch schwerer ist es noch, ein schwarzes Schaf zu sein und allein seine Last zu tragen.
Lamm Gottes, Lamm Gottes!
Du gibst Dein Leben hin,
hat Dein Sterben einen Sinn
für diese Welt, in der nur eines zählt:
unterm Schlußstrich steht noch „Gewinn“.
Irgendwo steht ein Güterzug bewacht auf einem Abstellgleis.
Draußen ist die Winternacht kalt und klar, drinnen ist sie tränenheiß.
Und Schreie von Gefangenen, die jeder hören kann,
der Grund, dass sie hier zusammengepfercht, ist ein einzigen Wahn.
Sie warten auf den Abtransport...
Immerwieder steht so ein Zug im kalten Rampenlicht,
und immer wieder heißt es danach: „Wir wußten das alles nicht!“
Und immer wieder ist unter ihnen das selbe schwarze Lamm,
der Mann der vor 2000 Jahren schon für uns hing am Kreuzesstamm.
Lamm Gottes, Lamm Gottes!...
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