Wie es einmal war

Die Väter haben uns beerbt
Die Zähne stumpf und das Fell uns gegerbt
Die Schuld bleibt ewig ungesühnt
Und ihre Taten ungerühmt
Ich hab das alles nicht mitgemacht
Ich schlaf noch ruhig in jeder Nacht
Kein Gewissen klopft an meine Tür
Man, ich kann doch nichts dafür

Uuh, ich kann es nicht ertragen
Was andre über uns sagen
Doch ich weiß, es ist wahr
Und es ist mir längst klar,
Dass nichts bleiben wird, wie es einmal war

Ich habe Auschwitz geseh'n
Und ich kann es nicht versteh'n,
Wie einer hier steht und sagt
Und Tausende von Toten anfragt
Wie er sagt: „Das gab's doch nicht,
Das ist doch alles nur ein Gerücht
Gefangene gehör'n nun mal zum Krieg
Das sind die Opfer für den Sieg.“

Uuh, ich kann es nicht ertragen...

Vergangenheit wird übermalt
Und jeder zeigt uns, wie die Zukunft strahlt
Namen werden ausradiert
Auch wenn die Wahrheit dabei verliert
„Es ist doch alles ganz normal!“
Und Hochmut kommt nun mal vor jedem Fall
„Wir sind jetzt alle endlich gleich
Und das auch ohne Drittes Reich!“

Schattenflecke auf unsrer weißen Weste
Die Farbe bröckelt langsam ab
Was übrig bleibt, sind nur die Reste
Von einem Massengrab

Uuh, ich kann es nicht ertragen...

  © Wolle 1992